Gehirnwelt · Themenraum 06 NL & BE Perspektiven

Themenraum 06

NL & BE Perspektiven

Was sehen die Niederlande und Belgien anders?

In den Niederlanden und in Flandern wird Hochbegabung oft anders beschrieben als bei uns. Begriffe wie beelddenken, top-down-leren oder zijnskenmerken richten den Blick stärker darauf, wie ein Kind denkt, lernt und die Welt erlebt. In diesem Raum findest du diese Sicht, eingeordnet für Eltern im deutschsprachigen Raum. Noch liegen die Hinweise in Artikeln anderer Räume, eigene Beiträge zu diesem Raum folgen.

Orientierung

Worum es in diesem Raum geht

Warum der Blick über die Grenze hilft

In den Niederlanden und in Flandern wird über hochbegabte Kinder oft anders gesprochen als in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eltern und Schulen fragen dort häufiger: Wie denkt dieses Kind, wie lernt es, was braucht es? Der Testwert ist ein Baustein, aber nicht der Ausgangspunkt. Für viele Familien ist das entlastend, weil es den Alltag erklärt und keine bloße Zahl liefert.

Beelddenken: in Bildern denken

Mit beelddenken beschreiben niederländische Fachleute Kinder, die vor allem in Bildern und Zusammenhängen denken statt in einzelnen Schritten. Sie sehen eine Lösung oft als Ganzes, können aber schwer erklären, wie sie dorthin gekommen sind. In einem Unterricht, der Schritt für Schritt aufbaut, geraten sie dadurch leicht ins Stocken. Mehr dazu findest du im Themenraum Denken & Lernen.

Top-down-leren: erst das Ganze, dann die Teile

Eng damit verbunden ist top-down-leren. Viele hochbegabte Kinder brauchen zuerst das Ziel und das große Bild, bevor einzelne Übungen für sie Sinn ergeben. Wer ihnen das Gesamtbild vorenthält, erlebt oft einen Widerstand, der wie Unlust aussieht.

Zijnskenmerken: wie ein Kind ist

Die flämische Begabungsforscherin Tessa Kieboom beschreibt neben dem Denken auch Merkmale des Seins, die zijnskenmerken: zum Beispiel einen starken Gerechtigkeitssinn, große Empfindsamkeit oder den Wunsch, Dingen auf den Grund zu gehen. Diese Merkmale sind keine Diagnosekriterien. Sie helfen dir aber, dein Kind besser zu verstehen.

Was du daraus mitnehmen kannst

Du musst nicht in die Niederlande ziehen, um von dieser Sicht zu profitieren. Oft reicht es, im Gespräch mit Schule und Fachleuten andere Fragen zu stellen: Wie lernt mein Kind am besten? Was braucht es, um anzufangen? In diesem Raum findest du die passenden Abschnitte aus den Artikeln der anderen Räume. Eigene Beiträge folgen.

Quelle: Tessa Kieboom (2007): Hoogbegaafdheid. Als je kind (g)een Einstein is. Tielt: Lannoo.

Selbstreflexion

Fragen an dich selbst

  1. Welche Erwartungen an Hochbegabung hast du aus deinem eigenen Umfeld übernommen?
  2. Welche Begriffe helfen dir, dein Kind zu beschreiben, und welche passen nicht?
  3. Was würde sich ändern, wenn mehr auf das Denken deines Kindes geschaut würde als auf seine Noten?
  4. Welche Haltung zu Begabung hast du in deiner eigenen Schulzeit erlebt?
  5. Was möchtest du aus einer anderen Sicht für eure Familie mitnehmen?

Diese Fragen helfen beim Nachdenken. Sie sind keine Diagnose. Wenn dich etwas stark belastet, sprich mit einer Fachperson.

Wissen

Wissen zum Thema

Vertiefung

Tiefer einsteigen

Weitergehen

Wohin der Weg weiterführt